Bildnachbearbeitung – Muss das sein?

Kaum ein anderes Thema wird in den sogenannten „social Media“ Plattformen so häufig und kontrovers diskutiert wie die Themen um die digitale Nachbearbeitung von Fotos mit Tools wie z.B. Lightroom oder Photoshop. Die einen lieben es, die anderen hassen es, dazwischen gibt es hunderte von Abstufungen, die alle subjektiven Charakters sind und individuell von Person zu Person andere Schwellenwerte aufweisen. Deshalb hier mal der Versuch, das ganze objektiv und neutral zu betrachten.

Machen wir das doch mal anhand folgender Mythen:

Mythos 1 : OOC ist ehrlich und natürlich

Das stimmt nur zum Teil, denn hier muss man schon unterscheiden, ob die Kamera das Foto als Roh-Datei (RAW) speichert oder als fertiges JPEG-Bild. Zumindest im letzteren ist klar, das bereits dieses Bild schon in der Kamera durch die eingebaute Software bearbeitet wurde, also auch schon eine Nachbearbeitung stattfand, wenn auch automatisch. Anders bei den RAW-Dateien, hier werden die Bildinformationen so gespeichert, wie sie vom Sensor kommen – abgesehen von einem eingestellten automatischen Weißabgleich.

Mythos 2 :  Wer fotografieren kann braucht keine Nachbearbeitung

Das ist in meinen Augen totaler Blödsinn! Nach dieser Logik, müssten also alle Fotografen die ihre Bilder in Printmedien, Werbekatalogen, Onlineplattformen wie 500px oder Flickr veröffentlichen allesamt Dilettanten und Anfänger sein? Alle, wirklich alle so veröffentlichen Fotos sind nachbearbeitet und retuschiert worden. Das ist eine Tatsache, die nicht erst seit dem digitalen Zeitalter zutrifft, sondern schon zu analogen Zeiten stattfand. Damals eben noch in der Dunkelkammer oder am Schneidetisch.

Mythos 3 :  Ein Foto muss naturgetreu sein

Auch Quatsch – warum muss es das? Oder besser gefragt WANN sollte es das? Geht es darum einen Artikel, eine Ware oder sonst ein Objekt möglichst wahrhaftig dazustellen, sollte tatsächlich großen Wert auf eine naturgetreue Darstellung gelegt werden. Übrigens muss eine RAW Date fast immer nachbearbeitet werden um diese Natürlichkeit zu erreichen, da die originale RAW fast nie dem entspricht was man selbst zum Zeitpunkt der Aufnahme gesehen hat, hier sind Anpassungen zwingend nötig.

Mythos 4 : zu viel Bearbeitung verfremdet das Bild

Das stimmt! Kann aber durchaus so gewollt sein um dem Bild einen besonderen Charakter zu verleihen. Hier verlassen wir den objektiven Bereich und bewegen uns der künstlerischen Freiheit entgegen. Was hier gut und was übertrieben ist, liegt in erster Linie nun mal im Auge des bearbeitenden Betrachters. So halte ich es im Übrigen auch, wenn’s mir gefällt wird’s publiziert  – fertig. Würde ich 100 Personen fragen, hätte ich 30 verschiedene Meinungen und könnte es trotzdem keinem recht machen.

Mythos 5 : JPEG lassen sich nicht bearbeiten

Falsch! Auch JPEGs lassen sich bearbeiten, zwar nicht so voll umfänglich wie RAW Dateien, aber auch aus ihnen kann man noch einiges herausholen. Dennoch ist die Bildaufnahme im Rohformat vorzuziehen. Da Speicherplatz in der heutigen Zeit keine große Rolle mehr spielt, kann man durchaus auch beide Formate gleichzeitig schreiben lassen, die meisten Kameras unterstützen diesen Modus.

Es werde Licht – die Sache mit den Nebelscheinwerfern

Eigentlich sind ja Nebelscheinwerfer per se etwas sehr nützliches und auch ein sicherheitsrelevantes Extra, das bei keiner Sonderausstattung fehlen darf, sofern diese ganz im Sinne des Erfinders eingesetzt werden. Das war’s dann aber schon mit den logischen Fakten.

Die Wirklichkeit sieht vielmehr so aus, dass zu Beginn der dunklen Jahreszeit im Oktober, die Schalter der Nebelscheinwerfer auf „Wintermodus“ sprich EIN geschaltet werden und dann auch bis zum Frühjahr permanent in dieser Stellung verharren. Anders ist es nicht zu erklären, warum bei bester Fernsicht nahezu jedes 5. Fahrzeug mit dieser Festbeleuchtung unterwegs ist. An einer möglichen Änderung der Straßenverkehrsordnung hat sich nach eigener intensiver Recherche nichts geändert, die Bußgelder sind sogar bei einem solchen „Vergehen“ auf mittlerweile 20€ gestiegen. Kein Grund für viele, deshalb auf ihre bezahlten Sonderaustattungsfeatures zu verzichten, getreu dem Motto „ich hab sie bezahlt, also nutze ich sie auch“. Müßig, hier nach Gründen zu forschen, das habe ich mittlerweile komplett aufgegeben. Die Frage die sich mir aufdrängt ist allerdings eine ganz andere: Moderne Autos sind heute vollgestopft mit den raffiniertesten Assistenzsystemen, sogar autonomes Fahren ist heute möglich. Systeme wie Fernlichtassistent und Kurvenlicht gibt es ja auch schon eine ganze Weile – warum dann aber gibt es kein System, welches die Nebelschlussleuchte bei einer Geschwindigkeit über 60 km/h automatisch abschaltet? Warum gibt es kein System, der den unangemessenen Gebrauch der Nebelscheinwerfer unterbindet? Sensorik für Sichtweitenerkennung gibt es doch schließlich zu genüge?

Vermutlich lässt sich so ein Systemnur sehr schlecht als Sonderzubehör verkaufen und würde den Fahrer „entmündigen“ – denn, wenn er schon nicht mehr selber schalten, lenken und bremsen muss – die Macht des Lichts möge mit ihm sein… und bleiben.