E-Dampfen: Pest oder Cholera?

Ich hab sie alle gehabt – Zigaretten aller Marken, mit und ohne Filter, selbst gedrehte und sogar Pfeife. Irgendwann habe ich die Alternative E-Zigarette entdeckt und mit dem Rauchen aufgehört. Fortan war ich überzeugter Dampfer, habe mich an der Petition gegen die TPD2 beteiligt und war in Foren und Gruppen rund um das Dampfen aktiv. Auch an Hardware, sprich Akkuträger, Verdampfer und Konsorten, hatte ich alles was der Markt so hergibt, ein richtiger Junkie. Auch habe ich das Dampfen immer wieder gepredigt, habe viele Bekannte und Kollegen zum Dampfen gebracht und war froh, das Rauchen so aus meinem Leben verdrängt zu haben.

Es ging mir ja auch wesentlich besser als beim Rauchen – fast alle negativen Symptome liessen nach, kein Wunder also, dass man so schnell zum Verfechter dieser Alternative wird.

Die ganzen kontroversen Diskussionen über das Dampfen haben mich nie zum Nachdenken angeregt, im Gegenteil, ich habe mich über soviel Unverständnis und Ahnungslosigkeit aufgeregt, die Pseudowissenschaftler und Politiker immer wieder durch mediale Äußerungen von sich gaben.

Irgendwann einmal, ich weiss nicht mehr warum, fing ich wieder an Zigaretten zu rauchen. Es war wohl so, dass mir die Liquids nicht mehr schmeckten, der Verdampfer anfing zu kokeln oder irgendwas anderes. Schnell war ich den „Pyros“ wieder verfallen, rauchte und dampfte teilweise parallel und „suchtete“ mich so durch den Alltag.

Im April 2018 dann, kotzte mich meine Sucht so an, dass ich beschloss sowohl das Dampfen als auch das Rauchen komplett sein zu lassen ( siehe ‚Vom Kettenraucher zum Nichtraucher‚). Erst jetzt erkannte ich, das Dampfen zwar weniger schädlich als das Rauchen ist, aber eine gesunde Alternative niemals wirklich war.

Ja, ich empfehle sogar jedem Raucher der aufhören will, aber meint es nicht zu können, den Umstieg zur E-Zigarette. Und ja, ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass es helfen kann von der Sucht los zu kommen. Anders als bei normalen Zigaretten, kann man bei den Liquids den Nikotingehalt selber bestimmen und mit der Zeit soweit reduzieren, das man gänzlich ohne Nikotin auskommt. Spätestens dann muss man sich aber fragen, wieso man überhaupt noch an so einer Dampfe nuckelt.

Warum das Dampfen nicht gesund sein kann

Das Hauptargument der Dampfergemeinde ist ja, vermeintlich zu wissen was man dampft; zu wissen welche Stoffe man zu sich nimmt. OK, mag sein, aber ist das dann auch gleich gesund bzw. gesünder? Lassen wir mal das Nikotin aussen vor ( einem Stoff dem eh viel zu viel Bedeutung zugemessen wird ). Wir haben im Liquid die beiden Hauptbestandteile Propylenglykol und vegetable Glycerin. Meist in einem Mischungsverhältnis von 50/50. Hinzukommt natürlich noch der sogg. Aromastoff, meist Lebensmittelaromen. An und für sich alles relativ ungefährliche und ungiftige Stoffe. Beim sogenannten Verdampfen wird nun das Liquid durch Watte einer Heizspirale zugeführt und verdampft. So, was heisst den nun „verdampfen“? Es ändert sich der Aggregatzustand einer Substanz von „flüssig“ in den Zustand „gasförmig“. Das heisst aber auch, das aus den beiden Bestandteilen nicht etwa neutraler „Wasserdampf“ wird, sondern die beiden Stoffe als feiner Nebel in die Lungen, Bronchien und Kapillaren gelangt. Ich habe keine Ahnung, wie und ob der Körper mit dem Abbau dieser Stoffe klarkommt. Hier sind wir jetzt bei der Aussage „besser als rauchen“ – Ja! Aber!

Mir ist zum Beispiel folgendes aufgefallen: ich habe beim Autofahren immer gedampft. Mit der Zeit hat sich so eine Art Schmierfilm auf den Scheiben abgesetzt, der alles andere als appetitlich war und sich auch nur schwer entfernen liess. Also auch so ein Indiz für eine Hinterfragung dessen was Dampfen eigentlich in unserem Körper hinterläßt.
Fakt ist aber dass dieser Dampf in unseren Lungen wieder zu Liquid kondensiert!

Wie aber baut denn nun der Körper dieses Liquid wieder ab? Kann er das überhaupt? Allen Studien und Gegenstudien zum Trotz, muss schliesslich jeder für sich selbst entscheiden wie er lebt und was er macht. Es gibt auch nicht nur A und B, rauchen oder dampfen, man kann es auch komplett sein lassen – das ist dann wirklich eine „gesunde Alternative“. Deshalb meine Empfehlung:

Lasst das Rauchen und das Dampfen komplett sein!

Meine persönliche Dampferfahrung

OK, mir hat das Dampfen ungemein geholfen, erst einmal von der Zigarette wegzukommen. Es hat mir aber nicht geholfen von der Sucht weg zu kommen! Beim Dampfen habe ich ebenso Husten gehabt ( wenn auch nicht so schlimm wie beim rauchen), ich habe Kopfschmerzen bekommen, Auswurf und Kreislaufprobleme. Viele dieser Symptome sind wohl auch Ergebnis dessen, dass ich mehr und länger gedampft habe, als beim rauchen. Eine Zigarettenlänge ist irgendwann verraucht – eine Dampfe dampft so lange der Akku Strom hat bzw. der Verdampfer Liquid. So habe ich oft über mehrere Minuten an der Dampfe genuckelt. Irgendwo war es ja cool zu dampfen, war was anderes als rauchen, war oft Diskussionsgrundlage von duzenden kontroversen Gesprächen und hat mich letztendlich dazu bewogen über die Sucht im allgemeinen nachzudenken. So hat mich das alles zu guter Letzt doch noch zum Nichtraucher und Nichtdampfer gemacht.

 

Author: FraJa

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