Vom Kettenraucher zum Nichtraucher

Die Chronologie meines Entzuges

Irgendwann kommt im Leben eines jeden Rauchers der Wunsch hoch, dieses Laster und diese Sucht ablegen zu können. Auch bei mir reifte dieser Gedanke nun schon seit längerem, einzig der richtige Zeitpunkt fehlte noch. Doch der ist jetzt gekommen! Mich kotzt es an, jeden Morgen das Münzgeld zusammenzukratzen um am Automaten die Drogen zu ziehen. Mich kotzt es an, auf dem Weg zur Arbeit schon 3 Zigaretten im Auto zu qualmen, mich kotzt es an ständig den gleichen unnötigen Ritualen zu erliegen. Mich kotzt es an, den ersten und den letzten Gedanken an jedem Tag den Kippen zu widmen. JETZT IST SCHLUSS! Ich fasse den Entschluss endgültig damit aufzuhören. Um mich selbst zu motivieren, werde ich die Meilensteine meines Entzuges hier protokollieren:

Dienstag, 10.April 2018, TAG 0

6:oo Uhr – Bin grade aufgestanden, erster Gang zum Kaffeeautomaten, schwarzen Kaffee rausgelassen, dann der Griff zur „Lucky“-Schachtel und ab vor die Tür, erstmal das morgendliche Lungenbrötchen und ne Tass‘ Kaff! Ritual, muss sein. Gerade mal vier Zigaretten sind noch in der Schachtel, Shit… hab‘ ich noch Kohle oder muss ich wieder zu Tanke fahren? Nein, jetzt ist der Punkt gekommen, jetzt lass ich es sein! Die letzten 4 rauch‘ ich noch, dann ist Schluss. Die erste zusammen mit dem Kaffee, zweiter Kaffee und zweite Lucky – nur noch zwei.

7:00 Uhr – Ich starte mit dem Auto zur Arbeit, die dritte Kippe wird angesteckt – immer das selbe.

7:15 Uhr – halber Weg zur Arbeit, kurz hinter Tannheim – die letzte Zigarette! Mein Entschluss steht immer noch. Jetzt gilt’s! An der Tanke, kurz vor der Firma fahre ich vorbei – normalerweise hätte ich jetzt hier angehalten und Nachschub besorgt. Erschreckend stelle ich fest, dass ich es tatsächlich Ernst meine. Aber gut, ich will es so!

10:00 Uhr – Leichte, harmlose Entzugserscheinung – Nervosität kommt auf; ich mache statt dessen Atemübungen 1 Minute und trinke Kaffee. Muss doch gleich wieder gut sein, oder…

10:20 Uhr – Nervosität steigt noch etwas an, hab’s aber im Griff. So schnell gebe ich nicht auf. Ablenken mit Arbeit..

13:00 Uhr – Mahlzeit, alles rennt zum Mittag, auch ich gebe mich dem Hofmann-Menü hin, Essen schafft wieder Ablenkung. Nach dem Mittagessen kurzfristig heftiges Verlangen, mir ist schwindelig und kalter Schweiss bildet sich. Jetzt ist wieder so ein Moment, bei dem ich immer geraucht hatte.

17:00 Uhr – Bis jetzt in Besprechungen gesessen, da kam eh kein Gedanke an eine Zigarettenpause auf. Doch jetzt nach dem Meeting kommt kurzfristig heftiges Verlangen hoch. Bin immer noch nervös und fahrig, gleichzeitig aber auch ein Gefühl von Freude/Stolz/Erleichterung  – Hey 10 Stunden ohne Zigarette – und ich lebe noch. Ich halte das durch!

18:00 Uhr – Endlich Feierabend, der erste Arbeitstag ohne Zigarettenpause – wusste gar nicht das sowas geht 🙂 Auf dem „Nach Hause Weg“ wieder an den üblichen „Zigarettenanzündpunkten“ vorbei. Da sieht man mal wie man schon von solchen Dingen abhängig wird. Jetzt schnell heim und am besten gleich ins Bett. 

Mittwoch, 11.April 2018, TAG 1

6:00 Uhr – Die morgendliche Zigarette fehlt so sehr, dass es schon schmerzt; so eine Art seelischer Schüttelfrost zusammen mit Schwindel. Unangenehm und traurig, ein richtiges Gefühlschaos.

7:15 Uhr – So, die ersten 24 Std. sind um – immer noch komisches Gefühl von Schwindel, fast als wär man besoffen. Bin aber guter Hoffnung dass das bald mal nachlässt. Das zarte Pflänzlein ‚Stolz‘ kommt langsam aber sicher zum keimen.

11:50 Uhr – Seit ein paar Stunden ist so eine Art Grundrauschen an Nervosität spürbar – allerdings nicht unbedingt unangenehm, sondern eher so wie „unterzuckert“. Hab Hunger – mehr als sonst. Ist ja bald Mittag, Ablenkung durch Essen. Mir graut es schon vor der Vorstellung nach dem Essen – da ist wieder so ein böser Punkt… So, nach dem Essen einen halben Liter Wasser getrunken und der Erwartete Schub blieb eigentlich aus.

17:15 Uhr – Feierabend – nochmal heftig auf dem Nachhauseweg, war ja klar. Aber ich will meinen Entzug erleben, das gehört dazu und soll mich prägen! Abends grillen mit Tina & Ramon – kein Problem, ich habe nichts vermisst und es hat nicht mal jemand gemerkt, dass ich weder rauche noch dampfe.

Donnerstag, 12.April 2018, TAG 2

5:30 Uhr – Wieder mal die nun fehlende morgendliche Erstzigarette, die einem zu schaffen macht, wird aber schon leichter damit umzugehen. Selbstzweifel kommen immer wieder hoch – ich bilde mir ein, das ist dieses kleine Drecksnikotinmonster – hat  mich bisher nicht ernst genommen, hat hämisch gelacht und gemeint „jaja, probier es ruhig, kommst da doch wieder angekrochen“. Aber einen Scheiss werde ich!!

6:30 Uhr – Auf dem Weg zur Arbeit wieder das gleiche, stehe dem aber positiv gegenüber, schließlich will ich meinen Entzug ja ausleben und es dem kleinen Drecksnikotinmonster zeigen!

7:30 Uhr – 48 Std. – Es wird langsam zur Normalität nicht zu rauchen, die Kicks werden weniger und kürzer. Aber ich lass mich nicht täuschen, der Kampf ist noch nicht vorbei.

8:30 Uhr – Ist grad wieder schlimm – Kaffee gibt’s auch nicht , Mist! Ist aber noch gut zu verkraften. Hey, ich bin schon so weit gekommen. 

Freitag der 13.April 2018, Tag 3

7:30 Uhr – 72 Std. Das Schlimmste ist nun glaube ich vorbei – werde langsam wieder klar im Kopf, fühle mich insgesamt viel besser. Klar hab ich ab und zu noch diesen „Hunger“ und merke dass ich ständig auf der Suche nach einer „Ersatzdroge“ bin – könnte immer Essen, habe guten Appetit, weiß aber dass das nicht gut wäre. Also nur Wasser und Kaffee. Und Atemübungen, immer wieder Atemübungen.

8:50 Uhr – Wieder etwas nervöser – muss mir vor Augen führen, dass es ein vergängliches Symptom ist und versuche den Entzug zu „genießen“, wissend dass  es nach dem Entzug vorbei ist mit solchen Kicks. Eigentlich sind das ja coole Erfahrungen, die einem zeigen dass man noch lebt und das man dem auch gewachsen sein kann.

Montag, 16.April 2018, Tag 6

8:00 Uhr – Wochenende war eigentlich gut, nur sporadische Entzugserscheinungen, lag aber auch am Radfahren, denke ich. Heute Morgen war’s nochmal kurzzeitig recht heftig, aber auch genauso schnell wieder gut. Im großen Ganzen ist der körperliche Entzug vorbei, denke ich. Psychisch wird’s auf jeden Fall auch immer leichter, wenn auch nicht ganz so schnell wie erhofft.

13:15 Uhr – Keine Ahnung was los ist, bin total genervt, nervös und gereizt. Ist das nun jetzt das letzte Aufbäumen des Drecksnikontinmonsters oder so? Das kleine Zigarettensucht-Monster windet sich bestimmt im Todeskampf – da muss ich jetzt durch. Also diesen Tick versuchen zu genießen.

Dienstag, 17.April 2018, Tag 7

8:00 Uhr – So mies es gestern war, so gut ist es heute, total entspannt. Eine Woche ist rum und ich fühle ich super, bin mächtig stolz. Der Anfang ist gemacht, die erste Schlacht geschlagen aber gewonnen ist der Krieg noch nicht.

14:00 Uhr – Immer noch erstaunlich wie „ruhig“ es heute ist, keine Anwandlung, keine Ticks, nichts! Unglaublich 🙂 Sollte es wirklich sooo einfach gewesen sein? Da raucht man ein ganzes Leben lang und kommt vermeintlicher Weise nicht davon los und dann ist nach einer Woche alles vorbei?

Mittwoch, 18.April 2018, Tag 8

8:00 Uhr – So gut es gestern war, so mies ist es heute – zeichnet sich hier ein 2-Tagesrythmus ab? Naja, mies ist auch wieder übertrieben – die anfänglichen Symptome kommen in Grundzügen immer wieder mal hoch. Wobei, die Nervosität kann auch am vielen Kaffee liegen. Trotz alledem, meine Ticks habe ich nun im Griff, weiss, dass ich „Herr der Lage“ bin und das solche Ticks auch wieder schnell verschwinden.

Montag, 30.April 2018, Tag 20

Hin und wieder juckt es immer noch, aber die Ticks werden weniger und weniger intensiv. Es fällt mir immer leichter damit umzugehen. Ich empfinde auch keine Reue aufgehört zu haben, werde wohl auch mein Dampfzeugs hergeben. Warum auch sollte ich damit wieder beginnen, jetzt, da ich gar nichts mehr brauche ist das ein tolles Gefühl! Endlich nicht mehr abhängig, endlich nicht mehr gegeißelt werden von der Sucht 🙂 TOP

Dienstag, 12.Juni 2018, Tag 63

8:00 Uhr – Zwei Monate (neun Wochen) sind nun rum, ich verspüre kein Verlangen mehr sondern nur noch Freude und Stolz es geschafft zu haben. OK, manchmal denke ich schon noch das ich jetzt eine rauchen könnte, aber nicht wirklich ernsthaft. Drecksnikotinmonster ist definitiv ohnmächtig!

Dienstag, 10. Juli 2018, Tag 91

13:00 Uhr – Drei Monate sind rum 🙂 das war doch mein ganz persönlicher, magischer Schwellenwert – 3 Stunden, 3 Tage, 3 Wochen, 3 Monate. Ich glaub‘ ich kann sagen dass ich es geschafft habe – immerhin habe ich kein nennenswertes Verlangen mehr. Wenn dann nur noch in homöopathischen Zügen 🙂

Freitag, 10. August 2018, Tag 122

8:00 Uhr – Wieso schreibe ich noch die Uhrzeit mit? Vier Monate, ich kann zu Recht behaupten nun Nichtraucher zu sein; führe mir aber dennoch jeden Tag meine Leistung vor Augen, halte am Stolz fest!

Donnerstag, 23.August 2018, Tag 135

So, jetzt schließe ich diesen Blog, macht keinen Sinn mehr hier noch etwas zu schreiben, es ändert sich nichts mehr. Abschließend kann man sagen, dass ich mächtig stolz und froh bin, es geschafft zu haben. Ich wünsche allen anderen, die es versuchen ebenso viel Glück und Erfolg dabei.

Author: FraJa

2 thoughts on “Vom Kettenraucher zum Nichtraucher

  1. Ich wundere mich echt, wie leicht es ist. Es gibt so Momente da denkt man es fehlt irgendwas, ich hole dann immer tief Luft, so als macht man einen langen tiefen Lungenzug und rufe mir dann ins Bewusstsein, wie schön es ist, diese frische Luft, diesen tollen Lungenzug ganz und gar kostenlos geniessen zu dürfen. Und besser noch, er schadet nicht, weder mir noch anderen. Echt geil!

  2. Glückwunsch mein Lieber… die ersten 3 Monate sind die schlimmsten, so war es jedenfalls bei mir. Von da an wird es immer besser. Du wirst jetzt schon bemerkt haben das so einiges wieder zurück kommt. Man schmeckt und riecht wieder Dinge die einem lange fremd waren. Ich bin mittlerweile im 11. Jahr ohne Glimmstengel/Sargnagel und wie die Dinger noch heißen. Ich frage mich heute noch immer, warum ich damit überhaupt angefangen habe. Es dürften so über 35 Jahre gewesen sein. Sinnloses verprassen von Geld und unnötige Schädigung des eigenen Körper.
    Ich bin froh diesen Schritt gemacht zu haben. Ich vermisse in der Hinsicht nichts , eher das Mopedfahren im BlackForrest.

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